Impulskerzen-Strategie im Währungspaar EUR/USD

Die Entwicklung profitabler Handelsstrategien am Beispiel – Gehen wir die, im Grundlagen-Artikel besprochenen, einzelnen Schritte zur Entwicklung einer profitablen Handelsstrategie nun anhand an einer einfachen Beobachtung genauer durch.

Bei der Betrachtung des Major-Währungspaares EUR/USD im Stundenchart (eine Kerze = eine Stunde) stellen wir fest, dass der Kurs nach Auftreten „besonders“ großer Kerzen auch in den nächsten Stunden in die eingeschlagene Richtung weiterläuft. Exemplarisch dafür blicken wir auf das Beispiel in der folgenden Abbildung.

impuls1Ein ATR-Indikator mit der Periode „1“ ermöglicht das einfache und schnelle Auffinden „großer“ Kerzen. Nach dem Auftreten einer solchen, außergewöhnlichen Kerze ist der Kurs zunächst etwas zurückgelaufen, um dann den Weg in die vorangegangene Richtung wieder aufzunehmen. Zwei mögliche Trading-Ideen dazu sind mit blauen Linien gekennzeichnet. Derartige „Impulskerzen“ kann man durchaus öfter finden. Aber läuft der Kurs tatsächlich regelmäßig in dieselbe Richtung weiter?

Der historische Beweis anhand eines Beispiels

Mit dieser einfachen Annahme beginnen wir nun die eigentliche Arbeit an unserer zukünftigen Strategie. Wir beschaffen uns historische Kursdaten für den EUR/USD auf Stundenbasis und überführen diesen Datensatz (hier ab dem Jahr 2004) in eine einfache Excel-Tabelle. Impulskerzen werden nun mit einer „Schwelle“ herausgefiltert und der weitere Kursverlauf nach dem Auftreten eines solchen Impulses „aufsummiert“. Dazu wird die Kursdifferenz auf Basis des Schlusskurses der jeweiligen Impulskerze nach einer, nach zwei, nach drei und weiteren Stunden bestimmt und anschließend über alle beobachteten Impulse aufsummiert. Treten „Short“-Impulskerzen (also „große“ absteigende Kerzen) auf, wird das Vorzeichen natürlich noch „umgedreht“.

Die Schlussfolgerung aus unserer Beispiel-Strategie

Die so erhaltenen, aufsummierten Kursdifferenzen sind in der folgenden Abbildung für fünf verschiedene Impulskerzen-Schwellwerte von 20 bis 100 Pips dargestellt. Ein Pip bezeichnet die vierte Nachkommastelle im EUR/USD also beispielsweise die Kursbewegung von 1,3800 $ auf 1,3801 $.

impuls2Schon aus dieser Grafik können wir sehr wertvolle Schlussfolgerungen ziehen. Ab einer Impulskerzen-Schwelle von 40 Pips lohnt es sich direkt mit dem Ende des Impulses in die gleiche Richtung zu handeln. Ein Verkauf der Position nach acht Stunden bietet sich an und ein Wiedereinstieg nach 14 Stunden ist ebenfalls profitabel wenn der Trade dann wiederum nach einem Tag geschlossen wird. Wir können jedoch auch viel einfacher Schlussfolgern: unsere Grundidee (Impulskerzen) ist hat eine gute Ausgangslage und funktioniert.

Aufstellung des Regelwerks in der Praxis

Damit ist unser Ansatz bestätigt und braucht jetzt ein komplettes Regelwerk, also Parameter. Eine vollkommene Strategie muss einen Stop-Loss und einen Take Profit haben. Zudem müssen die genauen Einstiegs- und Ausstiegskriterien zweifelsfrei definiert sein. Dazu bieten sich drei Parameter (Freiheitsgrade) an:

  1. Impulskerzengröße in Pips
  2. Fester Stop-Loss in Pips
  3. Fester Take Profit in Pips

Alternativ könnte man alle drei Parameter in Prozent vom Schlusskurs ermitteln. Ein Zeit-Stop, wie weiter oben beschrieben, soll zur Vereinfachung erst einmal nicht weiter betrachtet werden.

Im nächsten Schritt unserer Strategieentwicklung geht es nun darum, die optimalen Parameter für das feste Regelwerk zu finden. Solange man im Stundenchart oder noch höheren Zeitebenen unterwegs ist, kann dies mit vertretbarem Aufwand weiter in Excel bewerkstelligt werden. Hierbei ist es wichtig, die Anzahl der Freiheitsgrade so klein wie möglich zu halten, um eine sogenannte Überoptimierung zu vermeiden. Außerdem ist es ratsam auch noch geeignete Stabilitätsuntersuchungen durchzuführen.

Das Ergebnis für die so erhaltene Kapitalkurve ist in folgender Abbildung dargestellt. Die Kapitalkurve wird hier in „R“ angegeben, wobei „1R“ dem Risiko in Euro pro eingegangenem Trade entspricht.

impuls3Die Kapitalkurve zeichnet sich durch eine sehr schöne Linearität bei relativ kleinen Draw-Downs (Verluststrecken) aus. Wenn man diese Strategie mit jeweils 100 Euro pro Trade gehandelt hätte, wären nach zehn Jahren rund 17.000,00 Euro angehäuft (vor Kosten). Würde man, bezogen auf ein Startkapital von 10.000,00 Euro jeweils immer 2 Prozent pro Trade riskieren, wäre der Kontostand auf 200.000,00 Euro vor Kosten angewachsen.

Historische Erwartungswerte ermöglichen ein entspanntes Trading

Solche Ergebnisse liefern nicht nur sehr gute Trading-Strategien, sondern auch konkrete Erwartungswerte für die Zukunft. Mögliche Verluststrecken sind bekannt, die Trefferquote ebenfalls und natürlich auch der Erwartungswert für den Gewinn pro Trade. Diese Größen zu kennen, hilft sehr das selber entwickelte Setup auch tatsächlich nach den eigenen Regeln umzusetzen, da sämtliche Rahmenbedingungen schlicht und einfach bekannt sind. Erst wenn es zu deutlichen Abweichungen von den historisch abgeleiteten Kenngrößen kommt, ist es Zeit die Strategie zu überdenken.

Profis bedienen sich eines schier unendlich großen Baukastens

Durch weitere Vorgaben können wir Strategien weiter optimieren und so eine enorme Profitabilität erzeugen. Wir haben beispielsweise im Text auf die Möglichkeit eines zeitlich begrenzten Ausstiegs hingewiesen. Aber auch weitere Filter wie gleitende Durchschnitte oder der Supertrend-Indikator können das Ergebnis verbessern. Zum Anfang ist es jedoch wichtig, die Freiheitsgrade gering zu halten um das System zu verstehen und erfolgreich zu analysieren.

Fazit

Einfache Beobachtungen aus dem Chart oder dem täglichen Kursgeschehen heraus bilden oftmals eine sehr gute Grundlage eigene Trading-Strategien zu entwickeln. Dennoch sind eine statistische Überprüfung und die Festlegung eines kompletten und profitablen Regelwerkes Bedingungen dafür, diese Ideen auch in das echte Trading zu überführen. Nur so traden Sie entspannt und mit einem hohen Maß an Sicherheit.

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