Frage & Antwort: Wie beurteile ich meine Trading-Strategie richtig?

Frage:

„Hallo Stefan, ich habe mal eine Frage zur Systembewertung. Wie beurteilt man, ob ein System nicht mehr funktioniert, bzw. wie überwacht man es am besten anhand der Historie? Wenn z.B. der Backtest-Drawdown erreicht wurde oder nur x% davon? Oder wenn eine xy Prozentpunkte-Abweichung von der historischen Trefferquote erreicht wird? Was würdest Du am besten beobachten?

Und eine 2. Frage wäre: Bei der Ermittlung der Trefferquote, wo zählt man die 0€ (Breakeven) Trades dazu, zu den Gewinnern, Verlierern oder lässt man sie ganz weg?“

Antwort:

Hallo und vielen Dank für die Frage. Ich fange mal „unten“ an. Da ich ohnehin kein Freund von „Trefferquote“ bin, stellt sich für mich die Frage, wo man „0€“ dazu zählt nicht wirklich. Mathematisch stellt sich die Frage dazu eher selten, weil die 0€ auf den Punkt trifft man nicht so leicht 😉

Mal angenommen, Du hast eine Strategie mit Risiko 10€ und CRV von 2. Da die Trades z.B. nach Time-Stop immer irgendwann glatt gestellt werden, hast du somit Trade-Ergebnisse zwischen -10€ und +20€. Mit einem Cent „Genauigkeit“ ergeben sich also 3.000 verschiedene, mögliche Ergebnisse. Somit ist die Wahrscheinlichkeit, ohne Blick auf die Strategie, 1:3000, dass du die Null als Endergebnis bekommst. Das ist jetzt alles „0.te Näherung“, zeigt aber wie selten es vorkommt. Fazit: wo Du die Null hinzählst ist eher egal. Ich würde sie aber zum dennoch eher zum Verlust zählen, weil ich im Zweifelsfall immer eher schlecht rechnen möchte bzw. die investierte Zeit und das gebundene Kapital ohne jegliche Rendite für den negative Faktoren darstellt.

Zur Beurteilung einer Strategie würde ich ebenfalls nicht die Trefferquote verwenden. Ganz generell erliegt man hier (unabhängig von der Trefferquote) gerne der Annahme, „kurzfristige Historien“ gegen „langfristige“ viel zu stark überzubewerten. Du hast einen langfristigen Backtest – jetzt hast du dann z.B. eine kurzfristige Historie des Live-Tradings dieser Strategie. Die Frage die ich mir dann immer stelle ist: wenn ich mir die kurzfristige Historie anschaue, gibt es in der langfristigen irgendwo einen ähnlichen Verlauf? Meistens ist die Antwort „ja“ Fazit: alles ist „normal“ und so auch „früher“ schon mal vorgekommen. Wir neigen dazu in dem langfristigen Backtest immer nur den schönen Anstieg zu sehen und blenden die „Störungen“, die auch da schon vorgekommen sind, schlicht aus und sehen sie nicht.

Mein Regelwerk für die Beurteilung und den Abbruch einer Strategie ist recht einfach:

  1. Ich bestimme den maximalen Drawdown (Max_DD) für 10 Jahre (wenn ich den nicht unmittelbar als Zahl habe, dann extrapoliere (hochrechne) ich ihn mit dem „Wurzel-N-Gesetz“.
  1. Die Kontogröße, relativ zum Risiko pro Trade, passe ich so an, dass ich 2x diesen Max_DD im Konto aushalten könnte (braucht man wegen der Marginanforderung).
  1. Wenn ich jetzt im Live-Trading genau den historischen Max_DD verliere, beende ich den Handel der Strategie und erkläre sie für „tot“ (bisher noch nicht vorgekommen).

Du siehst, ich gebe mir einen recht breiten „Rahmen“, da ich bereit bin, den historischen Max_DD auf 10 Jahre zu verlieren. In Summe läuft es darauf hinaus a) möglichst viele (unterschiedliche) Strategien zu haben und b) sehr geduldig zu sein und Verluststrecken auch auszuhalten.

Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit. Ich habe eine Dax- und Dow-Ausbruchsstrategie (wird demnächst bei Trading-Stars.de angeboten), die bei 1.000€ gestartet ist. Nach ca. 3 Monaten war das Konto bei nur noch 600€. Nach weiteren 9 Monaten hatte ich die Verdoppelung, also die 2.000€, erreicht. Klar bin ich am Anfang „verzweifelt“ – aber im Februar diesen Jahres konnte ich mich dann über meine 100-%-Rendite freuen.

Ich hoffe ich konnte Dir weiterhelfen, Stefan.