Deutsche Bahn AG manipuliert den Kaffeepreis!?

Eine Insiderin berichtet von einem skandalösen Eingriff des deutschen Staatsbetriebs in den Handel mit den beliebten Bohnen – ein Kommentar von Johanna Wagner.

Es klingt wie eine kleine Gruppe von Blasen, die sich ihren Weg durch einen Strohhalm bahnt. Mit einem kurzen, pfeifenden Geräusch entschwinden sie dann in die Freiheit. Mit diesen Gedanken öffne ich die Augen und blicke nach rechts. Überfordert vom Geräuschpegel und leicht schwindelig durch das Schaukeln des Zuges entdecke ich den Ursprung dieser Sinfonie.

Ein älterer Mann, geschätzt Mitte 50, lehnt mit halb geöffnetem Mund und geschlossenen Augen auf dem Sitzplatz neben mir, im Wagon 21. Aus unerklärlichen Gründen bleibt mein Blick an seinem Mundwinkel kleben. Er hatte wohl Wurstsalat zum Frühstück.

Für die fahrplanmäßige Strecke von Fulda (Hessen) in die bayerische Landeshauptstadt München wurde mir ursprünglich ein Zeitfenster von nicht einmal drei Stunden mit dem ICE versprochen. Die Durchsage informiert mich, dass wir es zwischenzeitlich nach Nürnberg geschafft hätten. Ein lohnender Zwischenstopp wie mir scheint, bedenkt man doch, dass für die Strecke von Fulda nach Nürnberg schon über drei Stunden meines kostbaren Lebens vergangen sind. Bereits bei meiner Ankunft am Startbahnhof blinkten mir auf dem Laufband der Anzeigetafel 56 Minuten Verspätung entgegen.

Wie es aussieht, fängt das Abenteuer jetzt aber erst so richtig an. „Sehr geehrte Fahrgäste, räumen Sie bitte sofort den Wagon 24, sonst werden wir Nürnberg nicht verlassen“, tönt es rauschend aber durchdringend in das Abteil. Was zur Hölle ist denn bitte mit diesem Typen los? Ein Murren geht durch die Massen an Fahrgästen, von denen nur ein gefühltes Drittel einen originären Sitzplatz ergattern konnte. Innerlich stimme ich dem Gemurmel zu, welches sich wellenartig zwischen den Fahrgästen hin und her schiebt. „Mmmmgrr, Deutsche Bahn! Das Personal ist ja vollkommen unfähig und mit der Technik kennt sich hier ja mal gar Niemand aus!“ Gleichzeitig frage ich mich, ob ich meinen Sitznachbarn ausversehen Anstupsen soll, damit ich nicht mehr auf das unregelmäßige Pfeifen und Blubbern warten muss.

Nach einer aktuellen Studie aus dem Jahre 2014 mit Blick auf Mitarbeitermoral großer deutscher Arbeitgeber ist das Personal der Deutsche Bahn AG am unzufriedensten mit der Gesamtsituation – auch die Selbstmordrate soll das angeblich wiederspiegeln. Diese armen Teufel.

Warum bitte war denn die Durchsage gerade eben so unfreundlich? Naja, er wird es wohl auch satt haben! Diese ständigen Vorwürfe gegen die Bahn und ihre Bediensteten. Vielleicht findet er diese negative Grundstimmung sogar gerechtfertigt – was für ein mieser Job. Trotzdem klang die Stimme des Schaffners irgendwie panisch. Wenn nun doch etwas komisch ist? Eine ätzende Flüssigkeit am Boden des Wagons 24? Komischer Tag.

Die Klimaanlage in unserem Zugabteil scheint nun endgültig ausgefallen. Meinem Sitznachbarn rinnt ein scheinbar endloser Fluss kleiner Schweißperlen die schnarchende Nase herunter und tropft mit wiederkehrender Zielstrebigkeit auf das Brusthaar. Mir ist schlecht. Eine Frau im Vierersitz gegenüber klagt über Schwindelgefühle, die Kinder hinter mir weinen. Die Hitze hat unser Zugabteil nun gänzlich im Griff und trägt deutlich zur gehobenen Stimmungslage der Reisenden bei. Im Normalfall würde man jetzt flüchten, aber den Sitzplatz riskieren kommt nicht in Frage. Die neueste Lautsprecherdurchsage informiert über zwei defekte Toiletten – Ich stelle die Flüssigkeitsaufnahme mit sofortiger Wirkung ein.

Wagon 24 scheint geräumt und der Zug setzt sich wieder Bewegung und ich entspanne mich für ein paar Minuten. Mein Sitznachbar ist sich wohl einen Kaffee hohlen gegangen oder analysiert die ätzende Flüssigkeit im Wagon 24 – der verbotene Wagon. Es ist sehr warm, zu warm! Da muss man ja die Kontrolle über seine Gedanken verlieren.

Apropos Kontrolle. Eine Bahnmitarbeiterin bahnt sich ihren Weg durch Gepäck und im Gang sitzende Fahrgäste. Rundherum brechen die Menschen in wildes Herumkramen aus und auch ich begebe mich auf die Suche nach meiner Bahncard 50 und dem online gelösten Ticket. Widererwartend ist sie wirklich freundlich und nett. Anstatt der erwarteten Prüfung händigt sie allen Reisenden ein Kuvert aus. Sind das jetzt Essens- und Getränkegutscheine für das Bordrestaurant? „Fahrgastrechte-Formular“ – ich bin baff. Im Kleingedruckten steht, ab 120 Minuten Verspätung erhalte ich 50 Prozent des Fahrpreises zurück, hoffentlich schaffen wir das noch?

Es knackt wieder laut und die nächste Botschaft des Begleitpersonals erfreut die Ohren der Gäste: „Liebe Fahrgäste, leider müssen wir das Bordrestaurant schließen! Falls sie noch dringend etwas brauchen, nutzen Sie die nächsten zehn Minuten.“ Immer diese beängstigenden Ansagen, ohne jedoch einen sinnigen Grund zu nennen…

Ich überlege kurz ob ich tatsächlich den Weg durch drei vollgestopfte Wagons auf mich nehmen möchte um einen schlechten, überteuerten Kaffee zu bekommen und ärgere mich im selben Moment darüber, dass ich den „Schnarcher“ nicht gefragt habe, ob er mir einen mitbringt.

Schon nach zwei Minuten bin ich mir nicht mehr sicher, was die DB-Belegschaft für eine Werbemasche fährt und ob sie tatsächlich denken, dass ihr schlechter Kaffee durch eine künstlich geschaffene Angebotsknappheit mehr Nachfrage bei den Fahrgästen weckt. Beim Blick in den aktuellen Commitment of Traders Report fällt schnell auf, dass sich professionelle Spekulanten enorm auf der Käuferseite im Kaffeemarkt betätigen und den Preis so schon einmal massiv in die Höhe getrieben haben. Könnte es hier einen Zusammenhang zum Geschäftsgebaren der Deutschen Bahn AG geben?

Ich schließe die Augen, lasse mich an das Fenster sinken und bin froh, dass Sitznachbar „Blubber“ sich angeregt unterhält. Monotone Geräusche machen mich müde und lassen mich in eine schönere Umwelt entgleiten.

Durchlebt an einem Sonntag im Juli 2014.

coffeeCcot5jahre

In diesem langfristigen 5-Jahreschart sehen wir den börsengehandelten Kaffeepreis (Coffee C Future) mit den CoT-Daten.