Blutbad Schweiz: CFD Broker zeigen das wahre Gesicht

Ungläubig haben wir heute das Handelsgeschehen an den Finanzmärkten verfolgt. Während der deutsche Leitindex DAX zunächst stabil notierte, kippte der kleine schweizerische Bruder SMI am Vormittag nach unten weg. Sofort wanderte der Blick auf den Nachrichtenticker und dieser vermeldete emotionslos das Platzen einer Atombombe: „Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat den Mindestkurs für den Franken aufgehoben und senkt den Leitzins auf -0,75%.“

Aktienmarkt bricht ein

Daraufhin brach der Aktienmarkt im soliden Alpenstaat regelrecht ein. Der Benchmark-Index SMI fiel um weit über zehn Prozent zurück – binnen weniger Handelsstunden wurden so Milliardenwerte an Marktkapitalisierung vernichtet. Der Terminkontrakt (FSMI) fiel im Tief sogar auf 7.842 Punkte zurück und notiert zur Stunde noch 9,73 Prozent im Minus.

1501smid1

B1) SMI (unten) und der dazugehörige Future (oben) im Tageschart.

Turbulenzen am Devisenmarkt

Die unerwartete Aufhebung der Euro-Bindung und der Stützungsmarke von 1,20 CHF führte zu einer massiven Abwertung der Gemeinschaftswährung im Vergleich zum Schweizer Franken – der EUR/CHF notiert zur Stunde rund 15 Prozent im Minus nahe der Marke von 1,0200 CHF. Auch gegenüber dem US-Dollar verlor der Euro weiter an Wert und setzte die Talfahrt der vergangen Wochen fort.

1501eurchfeurusdw1

B2) Die Währungspaare EUR/CHF (oben) und EUR/USD (unten) in langfristigen Wochencharts.

Was war eigentlich geschehen?

Die SNB hatte den Wechselkurs zuletzt langfristig durch gezielte Aktionen knapp über der Marke von 1,20 CHF stabilisiert und sich so am Wert des Euros orientiert. Damit wurde dem Markt durch fehlende Spekulationen Volatilität entzogen. Diese Bindung des Frankens an die Gemeinschaftswährung wurde nun aufgehoben und der Markt konnte sich wieder frei nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage auspendeln – Folge war der größte Absturz des Euros in Vergleich zum CHF in der Geschichte. Im Sog dieser Turbulenzen fiel der EUR/USD auf das tiefste Niveau seit 2003 und auch die Aktienmärkte erlebten Schreckensminuten. Im Gegensatz zum SMI konnte sich der deutsche Leitindex DAX jedoch im Tagesverlauf erholen und zur Stunde sogar Gewinne einfahren. Die schweizerischen Nationalbänker haben heute die Schicksalsgemeinschaft mit dem Euro endgültig aufgekündigt.

CFD Broker zeigen ihr wahres Gesicht

Der Devisen-Future, also der börsengehandelte Terminkontrakt, war im Tagesverlauf bei aller angestiegenen Volatilität durchgehend und unter marktüblichen Spreads handelbar. Im Bereich der CFD´s kam es dagegen brokerübergreifend zu enormen Problemen bei der Kursstellung und Ausführung bestehender Orders oder Stop-Loss-Absicherungen. Die ersten Derivate-Anbieter haben den Handel im SMI oder Währungspaaren mit dem CHF bereits komplett eingestellt. Da sich die Broker jedoch offiziell absichern („hedgen“) oder die Positionen angeblich an den Markt weitergeben muss man sich nun fragen, warum diese Produkte aus dem Handel genommen werden müssen. In der Theorie sollte es also vollkommen egal sein, wenn Werte massiv hin- und herschwanken. Laut einer Meldung erlitt der Broker IG Markets allein heute durch die Geschehnisse im CHF rund 30 Millionen Pfund Verlust. Da wir selbst aktiv traden, konnten wir die Verwerfungen zwischen Börse und CFD live mitverfolgen. Zur Fairness müssen wir jedoch auch berichten, dass ein Broker eine Positive Slippage für eine Short-Position im EUR/CHF verrechnet hat. Soeben erreichte uns jedoch auch eine E-Mail, in der einem CFD-Trader mit einem 500-Euro-Depot ein Verlust von sage und schreibe 6.000 Euro generiert wurde.

B3

B3) Ausstopper im FSMI-Long mit 5 Indexpunkten Slippage – verglichen mit dem Marktumfeld gerade noch „im Rahmen“.

B4

B4) Ausstopper im Gewinn- und Verlustfall bei Währungs-Trades – im obersten Beispiel sogar mit positiver Slippage für uns.

Was kann man als Betroffener unternehmen?

Im Regelfall ist ein CFD-Trader der Willkür des Brokers vollkommen ausgesetzt, da diese Form von Derivaten nicht zwingend an die Entwicklung der zugrundeliegenden Börsen gebunden ist. Durch das „Kleingedruckte“ in den AGB´s haben die Anbieter in der Regel die Möglichkeit, An- und Verkaufspreise selbst zu bestimmen. Über die meist bestehende Nachschusspflicht können Verluste die Kontoeinlage tatsächlich übersteigen. Umso wichtiger wird damit das Setzen eines Stops und die unbedingte Einhaltung eines professionellen Risiko- und Money-Managements – kleine Positionsgrößen mindern auch bei derartigen Ausnahme-Events die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlusts enorm. Oben genannter Trader war mit der Annahme vermeintlich sicher steigender Kurse mit 3,0 Lot im EUR/CHF Long investiert und hat damit die Margin nahezu ausgenutzt. Betroffene können in solchen Fällen leider nur auf die Kulanz des Brokers hoffen und mit dem Kundenservice Kontakt aufnehmen.