Die Elliott-Wellen-Theorie

Wir blicken auf die Grundlagen der oft zitierten und angewandten Elliott-Wellen-Theorie.

Geschichte und Entstehung

Die heute bekannte Theorie geht auf den Entwickler Ralph Nelson Elliott (1871 – 1948) zurück. Dieser beobachtete den Kursverlauf an den Märkten und war der Meinung, dass dieser bestimmten Mustern folgt. Folglich stellte er ein Regelwerk für seine Beobachtungen auf. Innerhalb der jüngeren Vergangenheit gab es keine nennenswerten Neuerungen, Weiterentwicklungen oder Veränderungen dieser Grundannahmen.

Grundlagen zur Elliott-Wellen-Theorie

In der Grundannahme geht diese Theorie davon aus, dass sich Basiswerte unter massenpsychologischen Aspekten innerhalb wiederkehrender Muster aus Schwankungen bewegen. Dabei werden vergangene Beobachtungen verallgemeinert und in technisch-mathematische Regelwerke implementiert. Wie andere Methoden der Technischen Analyse ist der Nutzen im realen Handel umstritten und wurde innerhalb wissenschaftlicher Untersuchungen zum Teil sogar wiederlegt. Weiterhin unterliegt die Elliott-Wellen-Theorie verschiedenen Regeln, was die Ausprägung der einzelnen Wellen angeht und bedient sich der Verhältnisse aus der Fibonacci-Zahlenfolge.

Ziele der Elliott-Wellen-Theorie

Die Elliott-Wellen-Theorie versucht das aktuelle Trendstadium auf Verfassung und Richtung zu untersuchen und daraus Schlüsse für mögliche Fortsetzungen in der Zukunft zu ziehen. Kann man einem Basiswert einen Zustand nach dieser Methode zuordnen, so lassen sich nach dem Regelwerk Annahmen über eine wahrscheinliche Entwicklung ableiten.

Die Wellen aus Antrieb und Korrektur

Die Elliott-Wellen-Theorie besagt, dass Kurse innerhalb von Trends in fünf Wellen aus Antrieb und drei Wellen aus Erholung schwanken. Die Wellen 1, 3 und 5 stellen dabei die Bewegung in Richtung des Trends (Progression) dar, wogegen die Wellen 2 und 4 die jeweilige Korrektur (Regression) bedeuten.

trendelliotB1) Grundlegende Trendzählung in der Elliott-Wellen-Theorie

Zeitebenen und der fraktale Charakter

Wie in jeder technischen Untersuchung von Kursverläufen unterscheidet auch Elliott nach verschiedenen Zeitebenen und Historien. Übergeordnete Wellen gliedern sich dabei aus kleineren Fraktalen von langfristigen Charts bis hinein in den kurzfristigen Intraday-Bereich.

fraktalelliotB2) Untergeordnete Fraktale im Stundenchart bilden größere Trendstücke im Wochenchart aus.

festlegung elliot

B3) Festgelegte Bezeichnungen in Bezug auf den jeweiligen Zeitraum nach Elliot. Quelle: Wikipedia.

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B4) Über- und untergeordnete Trend-Fraktale nach Elliott aus „The Basis of the Wave Principle“ (1940).

Der aktuelle DAX-Tageschart mit Blick auf die Elliott-Wellen-Theorie:

daxelliotw1B5) Im langfristigen Wochenchart erkennen wir einen fünf-welligen Aufwärtstrend, gefolgt von einer ABC-Korrektur. Laut Elliott wäre nun eine Jahresendrally einzuplanen.

EWdaxd114112014

B6) DAX im Tageschart nach einem deutschen Elliott-Wellen-Analysten (vom 14.11.2014).

EWdaxH114112014

B7) DAX im Stundenchart nach einem deutschen Elliott-Wellen-Analysten (vom 14.11.2014).

Muster und Formationen

Es gibt eine Vielzahl an weiteren Mustern und Formationen neben den Basiswellen. Auf Wikipedia finden Sie eine Auswahl: http://de.wikipedia.org/wiki/Elliott-Wellen

Problemstellung

Zum Teil wiedersprechen sich die Regelwerke aus Chart- und Markttechnik mit den Annahmen der Elliott-Wellen-Theorie grundlegend. Analysten, die verschiedene Methoden nutzen können so zu widersprüchlichen Aussagen kommen. Sehen Sie dies an unserem Beispiel:

trendsallB5) Von links: Trendzählung nach Markttechnik; Trendzählung nach Elliott; Trenduntersuchung mit der klassischen Charttechnik.

trendfortsetzung

B6) Annahmen, abgeleitet aus den verschiedenen Methoden.

Während Markt- und Charttechnik von Trendbrüchen, und damit dem Wechsel in eine Abwärtstendenz, ausgehen sieht die Elliott-Wellen-Theorie lediglich eine Korrektur und geht weiter von steigenden Kursen aus.

Fazit

Fragt man Trader nach der Elliott-Wellen-Theorie begegnen einem entweder enthusiastische Fans oder Gegner dieser Analysemethode – ein Zwischendrin scheint es kaum zu geben. Vielleicht, weil klassische Chart- und Markttechnik zum Teil nicht mit den Wellen vereinbar sind, vielleicht aber auch, weil positive Ergebnisse bisher nicht bewiesen sind. Sicher ist jedoch, dass sich Elliott-Wellen-Trader sehr intensiv mit der Trenduntersuchung beschäftigen müssen und damit einen Gewinnvorteil ausarbeiten können. Wir gehen jedoch davon aus, dass diese Theorie nur als Ergänzung ganzheitlicher Methoden für das profitable Trading geeignet ist.